Verformen der Grundperle

Runde kugelige bzw. scheibenförmige Perlen zu machen, ist das erste Ziel beim Glasperlenmachen. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, der Perle eine andere Form oder sogar eine Verzierung zu geben, ohne eine zweite Glasfarbe zu benutzen.

Bei allen Verformungsarten gelten dieselben Regeln. Nur geeignetes Werkzeug darf innerhalb der Flamme eingesetzt werden und muss regelmäßig abgekühlt werden. Graphitpaddel sollten niemals direkt in der Flamme eingesetzt werden und im heißen Zustand im Wasserglas abgekühlt werden. Die Bearbeitungsspuren sind nach dem Verformen glatt zu schmelzen. Grundsätzlich sollten Perlen, die eine Weile außerhalb des Feuers bearbeitet wurden, vor dem Abkühlen erneut kurz aufgeheizt werden, damit sie nicht zerspringen.

Rollen

Vorsichtiges Rollen der heißen Grundperle

Beim Rollen wird die Grundperle vorsichtig über ein Graphitpaddel bewegt. Dabei ist der Druck entscheidend. Dieser sollte der Konsistenz des Glases angepasst sein. Rollt man zu stark, kann sich die Perle unerwünscht verformen. Sollen zylinderförmige Perlen hergestellt werden, empfiehlt es sich bereits den Grundkörper breiter zu arbeiten. Nach dem Rollen sollte die Perle nochmals erwärmt werden, um Arbeitspuren glatt zu schmelzen.

Drücken

Beim Drücken eines flüssigen Perlenkörpers können einzelne Partien des Körpers in ihrer Form beeinflusst werden. So entstehen mehrkantige oder konische Perlen, Polyeder oder facettierte Perlen. Gedrückt wird meist auf oder mit einem Graphitpaddel bzw. einem Messer. Dies kann auf einer Unterlagen geschehen oder freischwebend. Beim freien Arbeiten empfiehlt es sich, den Brenner als Widerlager für den Perlendorn zu verwenden, da man sonst leicht abrutschen kann. Es ist außerdem möglich, Perlen direkt in der Flamme zu drücken. Hierbei sollte ausschließlich ein Messer mit Holzgriff verwendet werden, welches regelmäßig in einem Wasserglas abgekühlt wird. Bei Arbeiten direkt in der Flamme kann das Messer allerdings schnell am Glas kleben bleiben.

1.+2. Drücken einer Grundperle auf einem Graphitpaddel, 3. seitliches Drücken der Grundperle in der Luft; als Widerlager dient der Brennerkopf


Quetschen

Den Perlenkörper zu quetschen, erfolgt mit Backenpinzetten oder bestimmten Zangen. Zangen dienen der Formgebung oder zur Herstellung einer bestimmten Oberflächenstruktur. Je nach Werkzeug und gewünschtem Ergebnis wird entweder der gesamte Perlenkörper oder nur ein Tropfen gequetscht. Die Werkzeuge sollten regelmäßig im Wasser abgekühlt werden.

1. Erzeugen eines Glastropfen, 2. +3. Quetschen des Glastropfens mit der Blattzange, 4. vorsichtiges Glattschmelzen der Bearbeitungsspuren auf der Rückseite des Blattes


Einkerben

Das Einkerben mit einem Messer ist eine der ältesten Verzier- bzw. Verformungstechniken überhaupt. Die Oberfläche der Perle wird mit längs-, quer- oder diagonalverlaufenden Rillen versehen. Die Verzierung sollte immer außerhalb der Flamme erfolgen. Zum Einkerben eignet sich ein Messer oder ein spitzes Paddel.

1. senkrechtes Einkerben, 2. Ergebnis von zweimaligen senkrechten Einkerbens, 3. + 4.waagrechtes Einkerben, 5. abschließendes Glattschmelzen nach Bearbeitung



Einstechen

Einstechen in die Mitte dreier Punkte

Das Einstechen in den Perlenkörper ist eine typische moderne Verziermethode. Sie wird hauptsächlich eingesetzt, um gezielt Luftblasen einzuschließen oder um an der Oberfläche Dellen in verschiedener Größe und Tiefe einzuarbeiten. Ein spitzes Messer ist ebenso geeignet wie spezielle Einstechwerkzeuge, die vom Fachhandel angeboten werden. Für grobe Dellen eignet sich auch die Rückseite eines Perlendorns. Das Einstechen sollte ebenso wie das Kerben außerhalb der Flamme erfolgt, sonst besteht die Gefahr, dass das Werkzeug am heißen Glas festklebt.

© Christin Barthelmie 2013-2015